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25 Jahre Zahntechniker-Innung Thüringen am 23.10.2015

10.12.2015 12:13

Vorstand und Geschäftsführerin der ZIT

Jubiläums-Mitgliederversammlung am 23.10.2015 im Mainzpavillon des EGA-Parks in Erfurt

Das organisierte Zahntechniker-Handwerk in Thüringen blickt auf 25 Jahre zurück und wagt einen Ausblick auf die kommende Zeit.Der Aufbau der Innung nach deutschem Handwerksrecht, Verknüpfung von alten Traditionen mit neuen zeitgemäßen Strukturen, die Pflege und Förderung der gemeinschaftlichen Zusammenarbeit; die Unterstützung und Begleitung der Unternehmen unter harten, sich ständig ändernden, marktwirtschaftlichen Bedingungen kennzeichnen die Leistung der Innung, die sie für ihre Mitglieder und alle Zahntechnikerinnen und Zahntechniker in Thüringen erbringt.

Die anwesenden Innungsmitglieder brachten zu Beginn der Mitgliederversammlung in der Wahl des Innungsvorstandes mit ihrem Votum für die Kandidaten ihr Vertrauen zum Ausdruck. Für die nächsten 3 Jahre ist die Innung mit OM Rainer Junge, seinen Stellvertretern Jens Hochheim und Thomas Wegner und Vorstandsmitgliedern, Anke Goerke, Birgit Graef, Christiane Jauch und Marko Zelmer gut aufgestellt.

In der sich anschließenden Jubiläumsfeier erlebten die Thüringer Zahntechnikerinnen und Zahntechniker gemeinsam mit  Wegbegleitern von einst und heute das Zahntechniker-Handwerk in seiner Einmaligkeit und Wertschätzung. Dies wurde besonders in den Grußworten zum Jubiläum vonseiten der LZÄK Thüringen, der Handwerkskammer Erfurt und des Ehrenmitgliedes der ZIT Klaus Kanter deutlich.
Im Auftrag der Zahnärzteschaft unterstrich der Geschäftsführer der LZÄK Thüringen, Henning  Neukötter, die seit Jahren gepflegte, enge Zusammenarbeit beider Berufsstände, die nicht nur die Aufgabe, als staatlichen Auftrag sehen, sondern auch in eigener Verantwortung die Interessen der Mitglieder vertreten. „…Die gemeinsamen Fortbildungen verdeutlichen auf vorbildliche Weise das enge fachliche Miteinander zwischen Zahnärzten und Zahntechnikern. Ihre Mitgliedsbetriebe und alle Zahntechnikerinnen und Zahntechniker sind für uns Zahnärzte wichtige Partner für eine fachlich und qualitativ hochwertige zahnmedizinische und zahntechnische Versorgung der Patienten. … Teamverständnis auf Augenhöhe ist nach unserer festen Überzeugung unverzichtbarer Garant für unsere tagtäglich gelebte, gemeinsame und erfolgreiche Arbeit für die Patienten in Thüringen.“
Vizepräsident der HWK Erfurt, Thomas Erdmann, überbrachte die Glückwünsche vom Handwerk. Er legte dabei den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf die neuen Technologien, die man auch als Chance sehen sollte und denen man sich nicht verschließen kann. Hier ist Zusammenarbeit auch unter den Kollegen gefragt. Ziel ist die Sicherung der Meisterlabore und letztendlich der Erhalt des Meisterprinzips als gelebter Patientenschutz.

Stehende Ovationen  der Zuhörerschaft nach dem Grußwort des Ehrenmitgliedes Klaus Kanter waren Zeichen dafür, wie ausgewählt seine Worte den Nerv der Anwesenden trafen und wie nahe man sich dabei war.  Auch mit  93 Jahren konnte man einen Berufspolitiker par excellence erleben, der stets als Freund und Kollege seine Hilfe und Unterstützung anbot und die Arbeit der Innung über Jahre begleitet hat. Er sprach den Zahntechnikern Mut zu: Wer wie Sie die bemerkenswerte Aufbauleistung einer Innung erbracht hat, braucht auch vor der digitalen Zukunft keine Angst zu haben. Mutlosigkeit und Zerstrittenheit, das sind zwei Gegner der Zahntechnik. Interessen lassen sich nur gemeinsam durchsetzen. Wir, meine Kolleginnen und Kollegen, bringen Leistungen, die ein Importlabor nicht erbringen kann. Nicht, weil Zahntechniker aus anderen Ländern nicht auch lernfähig wären, sondern weil wir durch unseren Standort vor Ort Vorteile haben. Wenn wir im Lernen und in der Anwendung der sich fortwährend entwickelnden Technologien nicht nachlassen, kann uns keiner schlagen!“

Verantwortung für einen Berufsstand tragen ist keine leichte Aufgabe. Besonders zu Beginn, - nach der Gründung der Thüringer Innung - bedurfte es eines Steuermannes, mit starker Durchsetzungskraft, hoher Fachkompetenz und festem Willen. 22 Jahre hat Ehrenobermeister Wolfgang Zierow, dieses Amt ausgefüllt, die Berufspolitik auf Landes- und auch Bundesebene geprägt, die Innung aufgebaut und gefestigt - und mit ihr den Betrieben die handwerklichen Strukturen nahe gebracht und die Mitglieder begleitet auf dem Weg in die Marktwirtschaft und den sich ständig ändernden Bedingungen auf dem Dentalmarkt.

Seit drei Jahren hat Obermeister Rainer Junge das Steuer übernommen. Als Gründungs- und Vorstandsmitglied und schließlich stellvertretender Obermeister der Innung, hat er die Entwicklung der Innung mit geprägt und nahm mit seiner Wahl zum Obermeister die Verantwortung des Amtes an.
In einem kurzweiligen Schlagabtausch ließen Obermeister Junge und Ehrenobermeister Zierow die vergangenen Jahre Revue passieren. Sie haben die Anwesenden mitgenommen auf eine Zeitreise in die Vergangenheit und so mancher konnte sich wiederfinden, der besonderen Anteil an der Innungsarbeit hatte. Für die Zukunft, so OM Junge: „Wir sind dabei, die Leistungen der Innung auszubauen. Gespräche und Kontakte mit befreundeten Innungen werden intensiviert, um neue Wege für die Zukunft der zahntechnischen Betriebe zu ebnen.“

Abgerundet wurde der offizielle Teil der Jubiläumsveranstaltung mit dem Vortrag „Zahnärzte und Zahntechniker gemeinsam in die nächsten 25 Jahre“. Prof. Dr. Pospiech, von der Charite in Berlin, hat damit die Erwartungshaltung der Zuhörerschaft sehr hoch gelegt. Als Verfechter vollkeramischer Systeme, hat er sich in seinem Arbeitsbereich insbesondere mit der angewandten Werkstofftechnik und Adhäsivtechnik beschäftigt. Er betrieb zahlreiche klinische Studien zur vollkeramischen Brückenrestauration aus In-Ceram, Empress und CAD/CAM-Systemen. Dabei hat er deutschlandweit und international große Anerkennung erfahren. Zu Beginn seines Vortrages hat Prof. Pospiech der Werkstoffkunde einen breiten Raum gegeben, ist auf die Verwendung und Besonderheiten der unterschiedlichsten Materialien eingegangen und hat die technologische Entwicklung in der Zahnheilkunde und Zahntechnik aufgezeigt. Einige Werkstoffe konnten sich langfristig nicht durchsetzen, so wird z.B. das Titan fast ausschließlich nur  noch in der Implantologie eingesetzt - seine Vorteile, wie Biokompatibilität, Röntgentransparenz  haben die Nachteile - schwierige Verarbeitbarkeit, schlechter Verbund zur Keramik- nicht aufgewogen. Heute wird Zahnersatz hergestellt, der fast perfekt der Natur entspricht. Die neuen computer gestützten Technologien können dabei den Arbeitsprozess erleichtern. Die Kernkompetenz der Herstellung von Zahnersatz sollte jedoch beim Zahntechniker bleiben und nicht an die Industrie gehen.
Aus seiner Sicht ist es auch sehr wichtig, dass man nach abgeschlossener Berufsausbildung zunächst Berufserfahrung sammelt und die Meisterprüfung erst später ablegt. Eine solide Grundausbildung ist wichtig, um ordentlichen Zahnersatz zu generieren. Zahnarzt und Zahntechniker, das bedeutet Teamarbeit in der täglichen Praxis, eine direkte Zusammenarbeit, zum Wohl des Patienten. Prof. Pospiech berichtete von seinen Aufenthalten in Peking und Honkong, riesige Baustellen gestern und industrielle Fertigung in modernen Dentallaboren heute. Eigene Schulen in den Großlaboren, Verwendung hochwertiger Materialien. Das Ausland schläft nicht, man darf die Entwicklung nicht unterschätzen und wir in Deutschland dürfen nicht verschlafen!
Ein Patentrezept für die nächsten Jahre konnte der Professor jedoch auch nicht geben, dafür aber einige wichtige Hinweise:“ Noch hat „Made in Germany“ einen Namen, den wir hochhalten müsse. Dinge, die sich über Jahrzehnte bewährt haben, dürfen wir nicht aufgeben.
Die Digitalisierung kann eine Chance sein, den Beruf attraktiver für junge Leute zu machen.“
Jeder sollte die Arbeit und das Leben in eine gewisse Balance bringen, dies kann man erreichen, wenn man mit Liebe und Leidenschaft seine Arbeit betreibt, bei allem aber nicht vergisst, für gute Arbeit auch entsprechendes Geld zu verlangen.

Mit interessanten Gesprächen unter Kollegen, einem guten Essen bei guter Musik ging die Veranstaltung zu Ende. - Das Ambiente des EGA-Parks Erfurt bot bei geschenktem Sonnenschein und gekonnter herbstlicher Gartenarchitektur den würdigen Rahmen.

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